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Hessische Schuetzenvereine

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 Schützenvereine haben ein Image-Problem. Der Ruf als Altherren-Trinkverein oder Sammelbecken für Waffennarren eilt voraus. Die Altersstruktur: nahezu biblisch. Die Mitgliederzahlen: seit zwanzig Jahren sinkend – bis zuletzt.  

Seit 2016 verzeichnet der Hessische Schützenverband wieder einen Zuwachs, auch im Jugendbereich. Hat sich das Schützenwesen verändert? Bei einem Besuch im Schützenverein Rai-Breitenbach im Odenwald sucht hessenschau.de nach Antworten.

Eine Multimedia-Reportage von Anne-Katrin Eutin

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So hörte sich der Siegesmoment in Rio bei den
Olympischen Sommerspielen 2016 auf hr1 an:

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Der Vorsitzende des Schützenvereins Rai-Breitenbach, Karl-Heinz Heil, macht unter anderem den "Olympia-Effekt" für das Wachstum verantwortlich.

Das berühmteste Vereinsmitglied ist Henri Junghänel.1997 hat er auf einem Marktfest seine Leidenschaft fürs Schießen entdeckt - an einem Schießstand des SV Rai-Breitenbach. Der 29-Jährige ist dem Verein seither treu.

Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio hat er eine Goldmedaille im Kleinkaliber-Liegendschießen gewonnen.

Doch nicht nur Rai-Breitenbach profitiert von dem Olympia-Effekt...

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Die Jugendförderung im SV Rai-Breitenbach nimmt einen besonderen Stellenwert ein. Derzeit trainieren rund 15 Jugendliche dort, wo auch Henri Junghänel seine Anfänge machte.

Vor allem die Altersgruppe der 10- bis 17-Jährigen ist sehr aktiv. Bei den älteren Jugendlichen sieht es anders aus: Die Landflucht schlägt zu. Zum Studium oder zur Ausbildung ziehen viele Jugendliche weg aus dem Dorf. Darum gibt es kaum 18- bis 25-Jährige im Verein.

Für die jungen Athleten ist das Schießen ein ganz normaler Sport wie Fußball, Tennis oder Hockey. Die Gewehre seien für sie nichts anderes als Tennis- oder Hockeyschläger, eben Sportgeräte. 


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Antonia Filipitsch, Jahrgang 2004:

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Die Kinder sind es gewohnt, bei Freunden mit ihrem Hobby auf Unverständnis zu stoßen:

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DIe Jugendlichen schießen im Training mit Luftgewehren. Das sind keine potenziell tödlichen Waffen. Für Erwachsene sind Luftgewehre frei erhältlich. Die Trainingsgeräte der Kinder werden in der Waffenkammer des Vereins aufbewahrt.

Für die anderen, gefährlicheren Sportwaffen wie Großkaliber-Pistolen oder Armbrüste benötigen Schützen eine Waffenbesitzkarte, die vom zuständigen Landratsamt ausgestellt wird.

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Der Psychologe Martin Rettenberger ist Direktor der Kriminologischen Zentralstelle und forscht zu Kriminalprognosen.

Er kritisiert einen verharmlosenden Umgang mit Waffen. Auch wenn es keinen kausalen Zusammenhang zwischen legalem Waffenbesitz und Kriminalität gebe, führe die reine Verfügbarkeit von legalen Waffen letztendlich trotzdem zu einer höheren Wahrscheinlichkeit, dass diese auch zu Straftaten eingesetzt würde - vor allem, wenn sie in die falschen Hände gerate.

Er sieht aber auch Vorteile darin, wenn junge Menschen im Schießsport aktiv sind:

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Tatsächlich ist der Anteil von legalen Waffen, die an Tatorten im Zusammenhang mit Straftaten gesichert wurden, mit knapp fünf Prozent gering (Quelle: Bundeskriminalamt, 2015).

Doch bei Amokläufen wie in Winnenden, Erfurt, Stuttgart oder Lörrach gab es einen Zusammenhang mit Schützenvereinen. Täter oder Familienangehörige waren Sportschützen. Sportwaffen wurden für die Taten missbraucht. Das Waffenrecht wurde daraufhin verschärft.

Wer eine Waffenbesitzkarte beantragt, muss mindestens 18 Jahre alt sein, eine persönliche Prüfung absolvieren und ein waffenrechtliches Bedürfnis nachweisen. Unter-25-Jährige müssen zudem ein medizinisch-psychologisches Gutachten vorlegen.

Die Sportschützen ergänzen, dass der Schützenverein zudem soziale Kontrolle ausübe. Wer einen Waffenschein will, muss ein Jahr lang regelmäßig im Verein trainieren und sich engagieren. Aber dass die soziale Kontrolle nicht immer funktioniert, zeigen die genannten Einzelfälle.

Und so kämpfen die Vereinsmitglieder nach wie vor mit den Vorurteilen:

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Helmut Horlebein ist in der Seniorenklasse aktiv. Er kennt die Vorurteile:

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Der Schützenverein Rai-Breitenbach will als klassischer Sportverein wahrgenommen werden – trotz des umstrittenen Sportgerätes.

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Dennis Walther ist erst seit einem Jahr dabei. Er hat rasch seine Waffenbesitzkarte beantragt und sich eine eigene Pistole zugelegt. Damit tritt er auch auf Wettkämpfen an.

Seine 9-mm-Großkaliberpistole ist eine sogenannte "Gebrauchspistole", wie sie ähnlich auch bei der Polizei eingesetzt wird.

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Dennis Walther:

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Der Schützenverein ist ein wichtiges Bindeglied für den Zusammenhalt im Dorf, das sonst nur wenig kulturelles Leben zu bieten hat.

Diesmal hat der SV Rai-Breitenbach zum Bürgerschießen eingeladen, das er mehrmals jährlich anbietet. Der halbe Ort ist gekommen, um sich mal an der Waffe zu versuchen und danach gemeinsam beim Bier zu schwatzen.

Mit diesen und anderen Veranstaltungen wie dem Königsschießen, Weihnachtsfesten und Ausflügen will man so das Dorf zusammenbringen.

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Jörg Wießmann, Sportleiter im SV Rai-Breitenbach:

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Lutz Hans Schlegel:

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Lutz Hans Schlegel ist ein langjähriges Mitglied im Schützenverein. Er fasst zusammen, was seiner Meinung nach den Schützenverein Rai-Breitenbach besonders macht.

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Auf dem "Olympia-Effekt" will sich der SV Rai-Breitenbach nicht ausruhen. Um auch Menschen anzulocken, die sich von klassischen Schusswaffen eher abgeschreckt fühlen, will der Verein neue Disziplinen einführen.

Der Blick nach Bayern sei da lohnend, sagt der Vorsitzende Karl-Heinz Heil:

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Erster Vorsitzender des SV Rai-Breitenbach, Karl-Heinz Heil:

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